Tiefengeothermie Neuhofen: Bürgerinitiative formiert sich gegen das Projekt „Rhein-Pfalz“

Die geplante Tiefengeothermie Neuhofen sorgt weiterhin für kontroverse Diskussionen in der Gemeinde und der Region. Im Mittelpunkt steht das Projekt „Rhein-Pfalz“ der Geopfalz, mit dem künftig erneuerbare Wärme für Speyer und Schifferstadt gewonnen werden soll. Während die Projektverantwortlichen in der Tiefengeothermie einen wichtigen Baustein für die zukünftige Wärmeversorgung sehen, wächst der Widerstand gegen den vorgesehenen Standort in der Schlicht.
Die Bürgerinitiative „Nein zur Tiefengeothermie“ informiert über das Vorhaben und stellt Fragen zu möglichen Risiken, zur Bürgerbeteiligung, zu Haftung und Finanzierung sowie zum geplanten Bohrplatz. Auch aus Waldsee und anderen Gemeinden erhält der Protest Unterstützung.
Projekt „Rhein-Pfalz“: Neuhofen rückt in den Fokus
Die Planungen für das Tiefengeothermieprojekt „Rhein-Pfalz“ reichen über Neuhofen hinaus. Ziel ist es, Wärme aus tiefen Gesteinsschichten zu gewinnen und für die Wärmeversorgung von Speyer und Schifferstadt nutzbar zu machen.
Zunächst war auch Waldsee als möglicher Standort im Gespräch. Dort kam es zu Widerstand und Schwierigkeiten bei der Sicherung geeigneter Grundstücke. Anschließend rückte Neuhofen als möglicher Standort in den Fokus.
Damit begann auch in Neuhofen eine intensive Diskussion über mögliche Auswirkungen, Sicherheitsfragen und die Beteiligung der Bevölkerung.
Bürgerinitiative „Nein zur Tiefengeothermie“ gegründet
Am 7. April 2026 gründete sich in Neuhofen die Bürgerinitiative „Nein zur Tiefengeothermie“. Nach Angaben der Initiative unterzeichneten zunächst 31 Menschen das Gründungsmanifest.
Die Initiative richtet ihren Blick insbesondere auf den geplanten Bohrplatz in der Schlicht. Das Gebiet zwischen Woog und Altrhein besitzt für viele Menschen einen hohen Wert als Natur- und Erholungsraum. Spaziergänger, Radfahrer und Naturfreunde nutzen die Landschaft regelmäßig.
Die BI befürchtet, dass ein industrieller Bohrplatz den Charakter des Gebietes verändern könnte. Gleichzeitig beschäftigt sie sich mit möglichen seismischen Risiken, dem Schutz des Grundwassers sowie mit Haftungs- und Finanzierungsfragen.
Gemeinderat schafft Voraussetzungen für das Geothermieprojekt
Im Mai 2026 beschäftigte sich der Neuhofener Gemeinderat mit dem Projekt. Dabei wurden unter anderem gemeindeeigene Grundstücke auf die Regenerative Energie Neuhofen AöR (REN AöR) übertragen beziehungsweise für die Umsetzung des Geothermievorhabens zur Verfügung gestellt.
Bei Teilen der Bevölkerung stieß das Vorgehen auf Kritik. Insbesondere wurde die Frage gestellt, ob die Bürgerinnen und Bürger ausreichend Einfluss auf die grundsätzliche Entscheidung über die Tiefengeothermie Neuhofen nehmen können. Im Mai wurden dann auch mit großer Unterstützung der Bevölkerung drei Bürgerbegehren gegen den Verkauf der Grundstücke initiiert.
Die Gemeinde verweist auf verschiedene Beteiligungsangebote. Kritiker sehen darin jedoch keinen Ersatz für eine direkte Entscheidung der Bevölkerung.
Informationsveranstaltung mit rund 300 Besuchern
Wie groß das Interesse an der Tiefengeothermie Neuhofen ist, zeigte eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative im Juni 2026. Nach Angaben der Initiative kamen rund 300 Menschen in das Bürgerhaus „Neuer Hof“.
Neben technischen Hintergründen wurden mögliche Risiken und Erfahrungen aus anderen Geothermieprojekten thematisiert. Ariane Stachowsky vom Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie erläuterte technische und rechtliche Aspekte. Zudem berichtete ein Hauseigentümer aus Schwetzingen über eigene negative Erfahrungen mit Schäden und einem langwierigen Schadensersatzverfahren im Zusammenhang mit einem anderen Geothermieprojekt.
Für die BI zeigte die Resonanz, dass bei vielen Bürgerinnen und Bürgern weiterhin erheblicher Informationsbedarf besteht.

Bürgerbegehren und Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Neustadt
Die Auseinandersetzung um die Tiefengeothermie in Neuhofen hat inzwischen auch die Justiz erreicht.
Im Mai 2026 wurden insgesamt drei Bürgerbegehren eingereicht. Sie richteten sich gegen die Übertragung beziehungsweise Nutzung gemeindlicher Grundstücke für das geplante Tiefengeothermieprojekt. Die Vertreter der Bürgerbegehren beantragten anschließend beim Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße im Eilverfahren, den Vollzug der entsprechenden Ratsbeschlüsse bis zur Entscheidung über die Zulässigkeit der Bürgerbegehren zu untersagen.
Das Verwaltungsgericht lehnte den Eilantrag mit Beschluss vom 20. Juli 2026 ab. Nach Auffassung des Gerichts war der Antrag bereits aus formalen Gründen unzulässig. Darüber hinaus bewertete das Gericht die drei Bürgerbegehren nach vorläufiger Prüfung auch inhaltlich als voraussichtlich unzulässig. Unter anderem sah die Kammer einen Zusammenhang mit der Bauleitplanung, für die nach der Gemeindeordnung kein Bürgerentscheid möglich sei.
Gegen die Entscheidung ist eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz möglich. Die Bürgerinitiative will die Entscheidung nach eigenen Angaben gemeinsam mit ihrem Rechtsbeistand prüfen und gegebenenfalls Beschwerde einlegen.
Kritik an Bürgerbeteiligung und offene Fragen
Ein weiterer Schwerpunkt des Protests ist die Bürgerbeteiligung. Vorgesehen beziehungsweise eingerichtet wurden unter anderem ein Bürgerbeirat mit 25 Personen, eine Bürgerbefragung zum Wärmebedarf, Grundwassermonitoring und Informationsangebote der Geopfalz.
Die Bürgerinitiative begrüßt nach eigener Darstellung den Informationsaustausch grundsätzlich, hält die bestehenden Möglichkeiten jedoch nicht für ausreichend. Aus ihrer Sicht geht es um die grundsätzliche Frage, ob die Bevölkerung über ein Vorhaben dieser Größenordnung mitentscheiden können sollte.
Unterstützung aus Waldsee und der Region
Der Protest in Neuhofen steht inzwischen nicht mehr isoliert. Menschen, die sich bereits in Waldsee gegen das ursprünglich dort diskutierte Geothermieprojekt engagiert haben, unterstützen die Neuhofener Initiative.
Damit entwickelt sich die Diskussion über Tiefengeothermie zunehmend zu einem regionalen Thema. Erfahrungen aus anderen Projekten fließen in die Debatte ein und werden von den beteiligten Bürgerinitiativen weitergegeben.
Auch die Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Geinsheim (BIGG) verfolgt die Entwicklung in Neuhofen und unterstützt den Wunsch der Neuhofener BI nach einer transparenten Diskussion über Risiken, Kosten, Haftung und Umweltfolgen sowie nach einer angemessenen Beteiligung der Bevölkerung.

