Tiefengeothermie in Geinsheim: Dementi, geheime Gespräche und offene Fragen

Vulcan Energy hat am 22. April einen Bericht von Focus Online zurückgewiesen, in dem behauptet wurde, zwischen Geinsheim und der Fronmühle solle zeitnah ein rund 80.000 Quadratmeter großes Geothermiekraftwerk entstehen.

Nach Angaben der „Rheinpfalz“ erklärte das Unternehmen hierzu: „Vulcan verfolgt das in diesem Zusammenhang seinerzeit geplante Geothermiekraftwerk und die Lithiumextraktionsanlage in Geinsheim nicht weiter, und eine Umsetzung dieser Anlage am genannten Standort ist nicht vorgesehen.“

Auf den ersten Blick ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung. Man könnte meinen, die Anwohner und auch die BIGG könnten nun die Sektkorken knallen lassen. Bei genauerem Hinsehen bleiben jedoch Zweifel.

Eigentlich würde man erwarten, dass die Presseinformation, auf die sich die Rheinpfalz beruft, auch auf der Webseite von Vulcan zu finden ist. Fehlanzeige. Dort findet sich keinerlei entsprechende Mitteilung. Zudem bezieht sich das Dementi ausschließlich auf ein Geothermiekraftwerk und eine Lithiumextraktionsanlage. Mögliche Bohrstandorte werden darin nicht erwähnt. Ist das Absicht oder lediglich unklar formuliert? Das weiß derzeit nur Vulcan selbst.

Interessant ist auch ein Blick auf die Investor-Relations-Unterlagen des Unternehmens. In der Corporate Presentation für das zweite Quartal (Q2) 2026 findet sich weiterhin das Aufsuchungsgebiet „TARO“, das auch Geinsheim einschließt. Wie passt das mit dem Dementi von Vulcan zusammen? Gar nicht.

Vulcan war in der Vergangenheit mit Ankündigungen durchaus großzügig.

  • Im November 2024 bootete Vulcan die Stadt Bad Dürkheim aus, in dem man den fast fertig ausgehandelten Kooperationsvertrag zum Bau einer Lithiumextraktionsanlage nach einem Jahr Verhandlungen zu Gunsten eines Projekts mit der BASF im Raum Ludwigshafen/Frankenthal platzen ließ.
  • Bereits im April 2022 schloss Vulcan mit dem Mannheimer Energieunternehmen MVV einen 20-jährigen Vertrag über die Lieferung von Fernwärme ab dem Jahr 2025. Inzwischen wurde der Lieferbeginn um vier Jahre auf 2029 verschoben.
  • Seit Anfang der 2020er-Jahre kündigte Vulcan an, ab 2024 im Aufsuchungsgebiet „Lionheart“ bei Landau jährlich rund 24.000 Tonnen Lithium zu produzieren. Aktuell ist ein Produktionsbeginn erst ab 2028 vorgesehen.

Die BIGG betrachtet Aussagen von Vulcan mit einem hohen Maß an Skepsis. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Wert das aktuelle Dementi tatsächlich hat.

Auch die Kommunikation der Stadt Neustadt wirft Fragen auf. Laut einer E-Mail der Neustadter Beigeordneten Johanna Kunzendorff aus dem März 2026 verfolgt die Stadt das Ziel einer transparenten Information:

„Aktuell befinden sich die Überlegungen zum konkreten Ausbau und zur Umsetzung der Wärmenetzausbaugebiete noch in einem frühen Prüf- und Bewertungsstadium. Die Stadt prüft die verschiedenen Optionen ergebnisoffen. Vor diesem Hintergrund können wir derzeit keine Aussagen zu konkreten Projekten, Standorten oder Kooperationsformen zum Thema Tiefe Geothermie treffen. Sobald Planungen weiter konkretisiert werden, wird die Öffentlichkeit selbstverständlich transparent informiert und beteiligt.“

Der BIGG liegen jedoch Hinweise aus einer Quelle vor, die mit den Aktivitäten der Stadt Neustadt vertraut sein soll. Demnach sollen die Stadt Neustadt und die Stadtwerke geprüft haben, ob sie Aufsuchungsrechte für Teile des Stadtgebiets erhalten können, die derzeit ausschließlich bei Vulcan liegen. Außerdem soll es nach Gesprächen mit dem Bergamt weitere Gespräche mit Vulcan über Geothermieprojekte in Neustadt gegeben haben.

Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Sie werfen jedoch Fragen auf, da sie aus Sicht der BIGG nicht mit der bisherigen öffentlichen Kommunikation der Stadt übereinstimmen. Die Stadtverwaltung wurde um eine öffentliche Stellungnahme gebeten. Die zuständige Beigeordnete Johanna Kunzendorff lehnte dies jedoch ab und verwies stattdessen auf geplante Bürgerinformationsveranstaltungen zur Wärmeplanung im zweiten Halbjahr. Damit blieb eine Einordnung der kursierenden Informationen aus.

Die BIGG befürchtet, dass die Stadt beim Thema Tiefengeothermie ähnlich vorgeht wie bei der 24 Hektar großen Photovoltaikanlage im Benzenloch. Auch dort wurde die Öffentlichkeit erst informiert, als die Planungen weitgehend abgeschlossen waren und nur noch die Zustimmung des Stadtrats ausstand.

Wir fordern die Stadt Neustadt auf, ihrem eigenen Anspruch auf Transparenz gerecht zu werden und die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über Planungen und Entwicklungen zu informieren und zu beteiligen.

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