Führt die Stadt Neustadt hinter den Kulissen Gespräche mit Vulcan?
Seit der Verabschiedung des Kommunalen Wärmeplans für die Stadt Neustadt ist es um das Thema Geothermie in Geinsheim öffentlich eher ruhig geworden. Auf Nachfrage der Geinsheimer Ortsvorsteherin teilte die Stadtverwaltung im März 2026 mit, dass das Projekt in Geinsheim derzeit nicht weiterverfolgt werde.
Kurz darauf berichtete die Tageszeitung DIE RHEINPFALZ am 22. April 2026, dass Vulcan Energy eine Meldung von FOCUS Online zurückgewiesen habe, wonach aktuell eine Geothermieanlage in Geinsheim geplant sei. Eine entsprechende Pressemitteilung konnten wir auf der Unternehmenswebseite bezeichnenderweise nicht finden.
Der BIGG liegen allerdings Hinweise aus einer Quelle vor, die mit den Aktivitäten der Stadt Neustadt vertraut sein soll. Nach Angaben dieser Quelle sollen die Stadt Neustadt und die Stadtwerke Möglichkeiten geprüft haben, Aufsuchungsrechte für einen Teil des Neustadter Stadtgebiets zu erhalten. Derzeit liegen diese Rechte ausschließlich bei Vulcan. Darüber hinaus wurde uns berichtet, dass es nach Gesprächen mit dem Bergamt zu weiteren Gesprächen mit Vulcan über Geothermieprojekte in Neustadt gekommen sei.

Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden. Sie werfen jedoch Fragen auf, da sie nicht ohne Weiteres mit der bisherigen öffentlichen Kommunikation der Stadt in Einklang zu bringen sind.
Die BIGG fordert daher eine transparente Darstellung des aktuellen Sachstands durch die Stadtverwaltung. Die Stadt Neustadt wurde mit den geschilderten Hinweisen und den daraus resultierenden Fragen konfrontiert und um eine öffentliche Stellungnahme gebeten. Die Antwort der Beigeordneten der Stadt Neustadt Johanna Kunzendorff fiel jedoch unkonkret aus: „Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich Ihrer Bitte zu einer öffentlichen Stellungnahme zu den von Ihnen gestellten Fragen nicht nachkommen werde.“ Im übrigen verwies sie auf erste Bürgerinformationsveranstaltungen zur Umsetzung der Wärmeplanung in den Ortsteilen im 2. Halbjahr.
Die Stadt hat damit die Gelegenheit nicht genutzt, die kursierenden Informationen einzuordnen oder Missverständnisse auszuräumen.
Nachdem der kommunale Wärmeplan nur die Varianten Solarthermie und Tiefengeothermie betrachtet hat, spricht einiges für eine solche Vorgehensweise der Stadt. Solarthermie kommt wegen des enormen Flächenverbrauchs und der sehr hohen Kosten praktisch nicht in Frage. Bleibt die Tiefengeothermie, für die allein Vulcan die Aufsuchungsrechte in Neustadt besitzt. Die Stadt hat daher neben einer Kooperation mit Vulcan oder dem Erwerb eigener Aufsuchungsrechte kaum Handlungsmöglichkeiten, wenn sie die Ziele des kommunalen Wärmeplans mit Tiefengeothermie umsetzen möchte.

Sollten sich die uns vorliegenden Hinweise bestätigen, sehen wir die Entwicklung jedoch kritisch:
- Die Technologie von Vulcan ist bislang noch nicht im industriellen Maßstab umgesetzt worden. Ob sie langfristig wirtschaftlich tragfähig sein wird, lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen.
- Vulcan Energy ist zunächst über Jahre mit dem 2,2-Milliarden-Euro-Projekt in Landau beschäftigt.
- Selbst bei einem Erfolg in Landau dürften zunächst die bereits initiierten Projekte mit der BASF in Ludwigshafen und Mannheim Vorrang haben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Kommunen im Oberrheingraben mit Interesse an Geothermie. Ein Projekt in Neustadt läge daher selbst im Erfolgsfall noch in weiter Ferne.
Man kann der Stadt Neustadt deshalb nur empfehlen, sich weiterhin um eigene Aufsuchungsrechte zu bemühen, um selbst handlungsfähig zu bleiben und nicht von einem Unternehmen abhängig zu sein, das bislang vor allem Ankündigungen gemacht hat, dessen praktische Umsetzung aber noch aussteht.
Oder die Stadt sucht nach alternativen Ansätzen, wie von uns in diesem Beitrag empfohlen.

